Notruf NRW

Auf dieser Seite haben wir, Klinikbeschäftigte aus allen sechs Unikliniken, erstmalig eine Auswahl von Berichten aus dem Schwarzbuch Krankenhaus der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Über Personalmangel wird viel gesprochen. Aber über die gefährlichen bis tödlichen Konsequenzen von Unterbesetzung im Krankenhaus kaum. Wir können das Schweigen über diese Zustände nicht länger verantworten. Jeden Tag kommen in Deutschlands Krankenhäusern Patient:innen durch Unterbesetzungen zu schaden. In der laufenden Tarifauseinandersetzung um Entlastung haben wir hunderte Erfahrungsberichte aus unterbesetzten Diensten in einem Schwarzbuch Krankenhaus zusammengetragen. Die Erfahrungsberichte dokumentieren, was es für die Patient:innenversorgung und -sicherheit bedeutet, wenn wir in Unterbesetzung arbeiten und was es für uns Beschäftigte heißt, immer wieder diesen Situationen ausgesetzt zu sein. Diese Berichte werden bisher nicht erzählt, weil sie traumatisch sind und auch, weil aktiv verhindert wird, dass sie an die Öffentlichkeit kommen. Denn diese Berichte sind ein Blick in den Abgrund unseres Gesundheitssystems. Da geht es um Patient:innen, die sterben, weil kein Personal da ist. Um tödliche Fehler, die aufgrund von Überlastung passieren. Um menschenunwürdige Zustände, tagtäglich, in unseren Krankenhäusern.

Trotz aller Versprechungen handeln die Klinikleitungen und Politik bisher nicht genug, um an diesen Zuständen etwas zu ändern. Was uns Streikende aber alle eint ist die moralische Verpflichtung gegenüber den uns anvertrauten Patient:innen und Schutzbefohlenen. Deshalb haben wir unsere Berichte in einem Schwarzbuch zusammengetragen.

Die hier zu lesende Auswahl ist nur ein kleiner Ausschnitt von hunderten Berichten. Die Berichte stammen aus allen 6 Unikliniken NRWs. Sie sind anonymisiert, da die Kolleg:innen über ihre belastenden Erfahrungen sprechen wollen und müssen, die Offenheit im Umgang damit jedoch nicht gegeben ist in ihren Arbeitsumfeldern.

Das vollständige Schwarzbuch Krankenhaus haben wir den Klinikvorständen, dem Mnisterpräsidenten, Gesundheitsminister und Fraktionsvorsitzenden des Landtags NRWs zu kommen lassen. Diese sind im Bilde welchen Situationen NRWs Patient:innen und Klinikbeschäftigte immer wieder ausgesetzt sind.

Wir erwarten dass Sie den ernst der Lage begreifen und entsprechend handeln!

Auf dieser Website findest du mehr Informationen zur Tarifbewegung für Entlastung an NRWs Unikliniken: notruf-entlastungnrw.de

Für Kontakt- und Presseanfragen, wenden Sie sich gerne an: schwarzbuch-krankenhaus@riseup.net


Er zappelt, aber da kommt keiner

Mehr habe ich dann nicht mehr gesehen, was genau passiert ist, ich kann das nicht so gut sehen, weil ich dann nicht schlafen kann, wenn so etwas passiert.

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Der Schrei der Mutter verfolgt mich bis heute

Als nun ein Kind mit Verdacht auf Ertrinkung angekündigt wurde, musste schnell entschieden werden, wer in die Notaufnahme geht, um das Kind in Empfang zu nehmen.

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Durchs Fenster beim Sterben zusehen

In dem Dienst, von dem ich berichten möchte, lag ein 92-jähriger Patient bei uns auf Station. Er ist COVID-positiv. Sein Zustand hatte sich in den vergangenen Tagen immer weiter verschlechtert.

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Sexuelle Belästigung in der Ausbildung

Mit einem unguten Gefühl betrete ich das Zimmer schon am Morgen, denn in den letzten Tagen wurde ich mehrfach Betroffene von sexualisierten Aussagen und ebenso häufig „zufällig“ angefasst.

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Keine Zeit für Menschlichkeit

Niemand von uns macht Pause, manche von uns schaffen es nicht mal auf die Toilette zu gehen oder zu trinken. Letzteres hilft sogar, um das zur Toilette gehen müssen zu verhindern. Aber gut für die eigene Gesundheit ist es nicht.

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Krampfanfall auf dem CT Tisch

Sofort rannte ich in den Untersuchungsraum, holte die Patientin aus dem Gerät, hielt sie fest und schrie um Hilfe. Doch leider hörte mich niemand, denn ich war allein.

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Schuld und Unschuld

Einen hervorragenden Bettenplan zu erstellen, allerdings weißt du der Plan geht nicht auf. Alle Patienten können nicht untergebracht werden.

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Erstickt im Wartezimmer

Dabei fühle ich mich schlecht; ich weiß, den Patienten geht es nicht gut. Ich weiß, auch ich könnte dieser Patient sein, der seit über einer Stunde in der Abteilung oder auf dem Flur auf Abholung wartet.

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Nicht einmal zur Sterbebegleitung hatte ich Zeit

Die Dienste finden oft unterbesetzt statt, da die Dienste so knapp besetzt sind, dass jeder einzelne Krankheitsausfall bereits nachbesetzt werden muss.

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Nachtdienst allein in der Notaufnahme

Auf näheres Nachfragen, ob diese Patienten etwas für die normale Notaufnahme sind oder nicht doch für den Schockraum, sagte der Rettungsdienst nur ganz trocken „Achso, der dritte, sehr schwer verbrannte Patient komm bei euch über den Schockraum.“

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Wenn nichts mehr hilft

Als die Station betrete, läuten über den ganzen Flur Alarme, Monitore, Perfusoren und Infusomaten. Das Telefon klingelt unaufhörlich. Meine Kolleg:innen sind in den Zimmern und kümmern sich um ihre Patient:innen, auf dem Flur befindet sich niemand.

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Atemlos durch die 24h Schicht

In der Zwischenzeit hatten sich noch drei weitere Notfälle angesammelt – oder besser gesagt angestaut.

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Hauptsache das Geld stimmt

Trotzdem wurde dieses Kind um 17:30 Uhr entgegen allen Bedenken eingeleitet. Als ich ankomme, frage ich „Und was mache ich, wenn der Spätdienst um 20 Uhr geht? Dann stehe ich hier allein da, obwohl das Kind zwei Leute mindestens braucht.“

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Todesursache: Aspiration

Die Situation: eine volle Station mit 64 Betten und im Spätdienst nur fünf Examinierte Pflegekräfte, aufgrund von Krankheitsfällen.

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Als wären wir an allem schuld

Er muss noch in die Pathologie gebracht werden, damit das Zimmer grundgereinigt werden kann. Meine beiden anderen Patienten leben noch. Während der Übergabe verstirbt leider auch noch einer dieser beiden.

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