Als Angehöriger meines Vaters

aus Berlin


Ich bekomme eines Abends einen Anruf meines Vaters. Er sei eine Rolltreppe heruntergestürzt und jetzt in der Rettungsstelle. Als ich dort ankomme, darf ich als Mitarbeiter:in des Hauses immerhin zu meinem Vater, was anderen Angehörigen verweigert wird. Ich fand meinen Vater in einem Untersuchungsraum: er sitzt dort allein, sieht mich hilflos an. Er wäre schon untersucht worden, war beim CT und Röntgen.

Er war voll bekleidet, wollte sich jetzt etwas hinlegen, konnte das aber vor lauter Schmerzen nicht alleine. Von der Pflege war niemand abkömmlich, denn solche Bedürfnisse kommen in der Prioritätensetzung bei Personalmangel weit unten. Als ich ihm die Schuhe auszog, waren diese voller Blut. Daraufhin suchte ich erst einmal die Blutungsquelle, die ich am gesamten Rücken und den Beinen fand. Er hatte blutige Striemen von den Metalltreppen überall am Körper. Diese bluteten immer noch. Das wäre überhaupt nicht aufgefallen, wäre ich jetzt nicht da gewesen. Man wollte den alten Mann schon nach Hause schicken. Bei genügend Pflegepersonal, die sich um die Patient:innen kümmern, wäre es aufgefallen und mein Vater adäquat versorgt worden. Mein Vater hat dadurch, dass ich ausnahmsweise bei ihm sein durfte, keinen Schaden genommen. Ich möchte aber nicht wissen, wie oft so etwas vorkommt.