Eine examinierte Pflegekraft auf Gastroenterologie berichtet

aus Berlin


Auf einer anderen Station ist das Personal aus krankheits- und kündigungsbedingten Gründen zu wenig. Ich werde für einzelne Dienste gebeten dort auszuhelfen. Der Fachbereich ist ein anderer. Ich komme zum Frühdienst, bereits am Vortag hat eine andere Pflegekraft auf dieser Station ausgeholfen. Ich erhalte einen mündlichen Bericht vom Nachtdienst, warum die Patient:innen auf Station sind, welche Nebendiagnosen sie haben, welchen Unterstützungsbedarf sie haben und welche Untersuchungen anstehen, bzw. was zu beachten ist. Von einem Patienten wird mir berichtet, dass er nach Hause entlassen wird. Bei meinem ersten Rundgang durch die Zimmer, erfrage ich bei diesem Patienten, ob er noch Unterlagen benötigt. Da er an der Bettkante sitzt erblicke ich einen Fußverband, der sich halb ablöst und verschmutzt aussieht. Ich bespreche mit dem Patienten, dass ich diesen vor der Entlassung erneuern werde. In den Patientenunterlagen ist der Verband nicht beschrieben, auch in dem Bericht wurde er nicht erwähnt. Der Patient beschreibt, dort eine kleine Hautabschürfung zu haben und bedankt sich, dass sich der Aufwand für diese Kleinigkeit gemacht wird. Bei Abnahme des Verbandes entleert sich schwallartig massiv Eiter. Durch täglich wechselndes Personal von unterschiedlichen Stationen, die in einem räumlich und fachlich fremden Bereich arbeiten mussten und in Unterbesetzung (2 Pflegekräfte für je 16 Patienten) hatte man den Schilderungen des Patienten von einer kleinen Hautabschürfung geglaubt und nicht nachkontrolliert. Der Patient musste wegen fortgeschrittener Blutvergiftung und Entzündung des Fußes auf die Intensivstation und wurde teilfußamputiert.