Dienst auf der Kinderstation

aus Berlin


Wir haben auf Station zwei Flure mit jeweils acht Zimmern. Ich kam zum Frühdienst und hatte den hinteren Flur, wo bei uns immer die aufwendigeren Kinder liegen. Wir haben Monitorbetten, aber keine Zentralüberwachung. Ich hatte mehrere überwachungspflichtige Patient:innen, die meines Erachtens auch nicht auf unsere Station gehörten. Schon die Dienste vor mir waren am Ende ihrer Kräfte wegen dieser Patient:innen, hatten keine Pause gemacht und Überstunden, um die Dokumentation zu schaffen. Eine 7-jährige Patientin war faktisch im Palliativ. Wir kannten sie über einen längeren Zeitraum. Zu diesem Zeitpunkt machte eine Infektion an ihrem Katheter eine OP nötig, bei der ihr Katheter durch einen zentralen Katheter ersetzt werden sollte. Sie hatte bereits ihr halbes Leben im Krankenhaus verbracht, war sehr hospitalisiert, sprach kaum, war nicht mobil, hatte einen zentralvenösen Zugang und wurde über die Vene ernährt. Zudem nahm bereits morgens 13 gestellte Tabletten, bekam beinahe stündlich IV-Antibiose sowie Blut- und Thrombozyten-konzentrate verabreicht, die jeweils aufgezogen werden müssen plus das Standard-Pflegeprogramm waschen, wickeln etc. In den anderen Zimmer lagen ebenso sehr aufwendige Patient:innen und ich rannte und rannte und rannte von Zimmer zu Zimmer um meine Arbeit zu schaffen. Ich hatte noch eine Auszubildende bei mir, die mir nach Kräften Arbeit abnahm. Eigentlich ist der Sinn von Praxiseinsätzen allerdings, dass ich die Auszubildende anleite. Das Schlimme an diesem Dienst und ähnlichen Diensten war dieses sehr kranke Mädchen, dass uns anflehte nicht gewaschen zu werden, keine Tabletten mehr nehmen wollte, nicht ernährt werden wollte, nicht mobilisiert werden wollte. Sie sagte einfach nur „Ich will das nicht, ich will das nicht, lasst mich, geht raus.” Und wir mussten all diese Maßnahmen einfach durchführen. Ich hatte keine Zeit darauf einzugehen, etwas zu erklären. Ich musste reingehen, dafür sorgen, dass sie die Tabletten nimmt, rausgehen – zu meinen anderen Patient:innen. Es ist schrecklich so zu arbeiten – stupide alles abzuarbeiten, statt für dieses Kind da sein und ihr die Situation erträglicher machen und ihr zuzusprechen zu können. Das ist meine Belastung. Der Mensch zählt hier nicht. Normalerweise übernahm die Mutter des Kindes viele Aufgaben, aber während dieser Tag konnte sie nicht. Das Mädchen jedoch hatte Angst zu sterben, Atemnot, bekam Sauerstoffversorgung. Vor einigen Tagen hörte ich, dass das Mädchen verstorben ist. Solche Situationen kehren immer wieder und stellen für uns alle eine unmenschliche Belastung dar. Deswegen streiken wir und fordern einen Pflegeschlüssel von 1-zu-6 im Tagdienst und die feste Integration der Praxisanleitung zusätzlich zum Tagdienst, um eine qualitativ hochwertige Ausbildung zu ermöglichen.