Eingeklemmt

aus Berlin


Frühdienst. Sechs Geburtsräume sind voll und vier Hebammen sind im Dienst. Die Aufnahmeräume sind durch vier geplante Kaiserschnitte (Sectionis) ebenfalls belegt. Der erste geplante Kaiserschnitt ist eine Frau vietnamesischer Herkunft; wir haben keine gemeinsame Sprache. Diese wird postoperativ zurück in den Aufnahmeraum geschoben. Die Anästhesie hängt die Kreißlaufüberwachung an und geht zurück in den OP. 

Der betreuenden Hebamme konnte nicht Bescheid gesagt werden, weil die schon mit der nächsten Sectiovorbereitung beschäftigt war. Die vier geplanten Kaiserschnitte sollten hintereinanderweg abgearbeitet werden, weil das Anästhesieteam nur begrenzt Zeit hatte. Und das ist leider Alltag.  

Besagte Frau lag nun ganz alleine mit ihrem Neugeborenen - ihr erstes Kind - auf der Brust -  verkabelt an Blutdruckmanschette, Sauerstoffmessung und Infusion im Aufnahmeraum. Keine begleitenden Angehörigen. Die Frau war allein. Eine Nebenwirkung der Rückenmarksnarkose ist ein starker Juckreiz am ganzen Körper. Dadurch werden viele Frauen sehr unruhig und kratzen sich am ganzen Körper. Sie können dann das Neugeborene nicht gut festhalten. 

Zufällig ging ich an der zum Glück halboffen stehenden Tür vorbei und hörte das Kind schreien. Als ich rein ging, lag das Neugeborene zwischen Bettgitter und Brustkorb der Mutter eingeklemmt.

Das Gesicht des Neugeborenen war nach unten gerutscht. Die Mutter war aufgrund des Monitorings und der laufenden Infusion eingeschränkt in ihrer Bewegungsfreiheit und konnte ihr Kind nicht selbständig aus dieser Lage befreien. Außerdem hatte sie aufgrund der Sprachbarriere nicht verstanden, dass es eine Klingel gibt. 

Was wäre passiert, wenn die Tür geschlossen gewesen wäre? Keiner konnte einschätzen, wie es Mutter und Kind geht. Mit ausreichendem Personal wäre es nie zu dieser Situation gekommen.