Bericht aus einem Kreißsaal

aus Berlin


In dem Dienst hatten wir eine Besetzung von insgesamt drei Hebammen. Das bedeutet: zwei Hebammen für sechs Kreißsäle und zwei OPs. Eine Hebamme für die Aufnahme, gefüllt mit vier wehenden Frauen, die nicht in den Kreißsaal konnten, weil alle belegt waren. Die Hebamme aus der Aufnahme musste mit in den Saal, weil sechs Köpfe sichtbar waren. Die Ärzte konnte man kaum einspannen, da sie physiologische Geburten kaum kennen. Eine Schülerin im ersten Lehrjahr wurde von Station geholt. Sie hatte in ihrem Leben noch keine Geburt gesehen, sollte nun zwischen zwei Kreißsälen hin und her wechseln und sich melden, wenn die Frauen pressen. Ein Paar, das ein gesundes Kind erwartete, sagte, dass sie unter genau den gleichen Umständen im vorherigen Jahr ein sterbendes Kind zur Welt bringen mussten, komplett allein, weil keiner Zeit hatte. Die wehenden Frauen aus der Aufnahme mussten allein gelassen werden, weil die Aufnahmehebamme zu zwei Geburten im Saal kommen musste, weil 4 Kinder parallel kamen. Eine Frau aus der Aufnahme kam 30 min später auf Knien (auf allen Vieren!) in den Kreißsaal, weil sie nun auch pressen musste. Zwei Frauen wären in dieser Nacht fast verblutet, weil keiner Zeit hatte, nach der Geburt nach ihnen zu schauen. Eine Frau mit einer Zwillingsgeburt, bei der ein Kind eine Sterbebegleitung brauchte, musste alleine auf Station wehen, da sie nicht in den Kreißsaal konnte.