Atemlos durch die 24h Schicht


Anfang des Jahres hatte ich 24 Stunden-Bereitschaftsdienst im Zentral OP.

Schon am Vortag stand fest, dass wir gegen 9 Uhr eine Lebertransplantation durchführen würden. Damit konnten wir auch zur angekündigten Zeit starten. Die OP ging bis ca. 17:30 Uhr. In der Zwischenzeit hatten sich noch drei weitere Notfälle angesammelt – oder besser gesagt angestaut. Denn wir konnten keine Operationen parallel laufen lassen. Eine Lebertransplantation ist sehr komplex – und wir sind nur zu dritt im Dienst. So ist das schlicht nicht möglich. Wir fingen also nach 17:30 Uhr an, die OPs nach und nach abzuarbeiten, teils dann parallel, damit auch für uns irgendwann ein Ende in Sicht kommt. Leider wurden gegen Ende der letzten angemeldeten OP noch weitere Notfälle angemeldet, sodass wir den gesamten Dienst über (mit Ausnahme der Lebertransplantation) parallel arbeiteten, also: mehrere OPs gleichzeitig durchführten. Das heißt: 2 von uns standen steril am OP-Tisch, die dritte Person musste zwischen beiden OP-Sälen hin- und herspringen. Das ist sehr belastend sowohl für diejenigen, die am Tisch stehen als auch für die Person, die springen muss. Eine Pause hatten wir unter diesen Umständen natürlich nicht. Für sein Abendessen hatte jeder von uns, getrennt voneinander, 10 Minuten Zeit. Nur so konnten wir überhaupt etwas zu essen zu uns nehmen.

Die letzte OP neigte sich gegen 5:30 Uhr am nächsten Morgen dem Ende zu, also mehr als 20 Stunden nach Beginn der Lebertransplantation. Wir waren schon am Ende unserer Kräfte, als die Viszeralchirurgen noch einen lebensbedrohlichen Notfall bei uns anmeldeten, da ein Patient nach einer komplizierten Bauchoperation massiv nachblutete.

Keine 15 Minuten nach dem Anruf des Chirurgen wurde der Patient unter Herzdruckmassage in den Saal gefahren. In so einer Situation muss einfach alles stimmen, und vor allem muss es schnell gehen. Unsere Kollegin mussten wir allein steril am Tisch in dem anderen Saal lassen, damit wir uns um die Vorbereitung dieses Notfalls kümmern konnten. Ich habe dann die Herzdruckmassage übernommen, während sich der Arzt für die OP einwaschen konnte.

Wir waren alle am Ende. Nicht ein einziges Mal hatten wir in diesem Dienst die Möglichkeit, wirklich durchzuatmen. Es ist nicht nur eine Zumutung, unter dieser Bedingung einen solchen Notfall versorgen zu müssen, es ist auch gefährlich. Um 7:30 Uhr kam dann der nächste Dienst, an den wir die OP übergeben konnten.

Wenn ich heute auf diesen Dienst zurückblicke, muss ich feststellen: Wären wir nur eine einzige Person mehr im Dienst gewesen, hätten also zu viert gearbeitet, wäre das alles so viel besser zu stemmen gewesen.